Historisches zum Musikverein Löchgau

Am 1. August 1924 wurde im Löchgauer Gasthaus "Sonne" der Musikverein Löchgau von 50 passiven und zehn aktiven Musikern gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wurde damals Fritz Gauger gewählt, zweiter Vorstand wurde Christian Trinkner. Als Vereinsgründer nennt die Chronik: Theodor Zehender (Ausschuss), Wilhelm Schelling (Schriftführer), Christian Trinkner, Hermann und Karl Schäfer, Fritz Reustle, Fritz Gauger, Wilhelm Klink (Ausschuss), Paul Ruof (Ausschuss), Karl Hieber, Fritz Glock (Kassier) und Hermann Fischer.

Die Versammlung beschloss, dass die Mitglieder einen Monatsbeitrag von 50 Pfennig zu bezahlen hatten. Für Neumitglieder wurde eine Aufnahmegebühr von einer Mark festgelegt. Im Protokollbuch von 1924 ist nachzulesen, dass der Verein gute Fortschritte macht. Dies wird auf die Bemühungen von Herrn Rometsch, der als erster Dirigent gewonnen werden konnte, zurückgeführt. Unterstützung erhielt der Musikverein auch von der Gemeinde. Diese stellt bis April 1925 zinslos ein Darlehen von 300 Mark zur Verfügung, damit Instrumente angeschafft werden konnten.

Jedoch vor dieser Vereinsgründung wurde in Löchgau musiziert. In alten Unterlagen ist die Musikkapelle Löchgau erwähnt, die bereits 1908 gegründet wurde. Diese Gruppe bestand 1914 aus neun Mitgliedern, die später teilweise bei der Gründung des Musikverein Löchgau mitwirkten.

Von der positive Entwicklung des Vereins bis zum 2. Weltkrieg und dem Willen, gemeinsam zu musizieren und auch etwas für die Gesellschaft zu leisten, zeugt der Bau der Vereinshalle, der gemeinsam mit dem Turnverein und dem Gesangverein 1928 angegangen wurde. Diese Halle war bis zur Übergabe an die Gemeinde im Jahr 1987 im Besitz dieser drei Vereine. Das Vereinsleben war stark von der politischen Entwicklung in dieser Zeit geprägt und musikalische Aktivitäten wurden von den Dirigenten Rometsch und ab 1928 von Vogelmann beeinflusst. Die Mitgliederzahl der Kapelle wuchs auf 18 Musiker. In dieser Zeit erlebte die Kapelle eine stetige Aufwärtsentwicklung in der passiven Mitgliederzahl.

Der Weltkrieg brachte das Vereinsleben vollständig zum Erliegen. Im Januar 1948 traf sich wieder eine kleine Schar im Gasthaus "Sonne". Erst im Herbst, nachdem sich fast alle aktiven Musiker wieder daheim eingefunden hatten, wurde wieder mir dem Probenbetrieb begonnen. Als Dirigent konnte Hans Mader gefunden werden, der den Verein für die nächsten 33 Jahre musikalisch leitete und zu Höchstleistungen befähigte. Für weitere neun Jahre dirigierte der Militärmusiker Klaus Stoffner die Kapelle des Vereins und änderte in dieser Zeit die musikalische Richtung. Ihm folgte der Fagottist des Radiosinfonieorchesters Stuttgart: Frank Lehmann. Ralf Janßen, der in seinem Hauptberuf als Musiklehrer und Fachbereichsleiter an der Musikschule Bietigheim arbeitet, leitete das Orchester für weitere zehn Jahre. Bis zum Jahresende 2015 stand Manfred Pasker für ebenfalls gut 10 Jahre dem Blasorchester als musikalischer Leiter vor.

Der Verein hatte im 75er Jubiläumsjahr etwa 350 Mitglieder. Im Orchester spielen 40 Musikerinnen und Musiker, und die Jugendkapelle zählt 35 Jugendliche. Weitere Jugendliche erlernen verschiedene Instrumente beim Verein. Weiter bietet der Verein seit einigen Jahren für Kinder ab der ersten Klasse Blockflötenunterricht an.

Vor einigen Jahren wurde beim Verein ein neuer Weg in der Instrumentenausbildung begangen. War es in der Vergangenheit üblich, dass das musikalische Wissen von älteren Musikern übergeben wurde, so wurde nun der Weg der Kooperation mit der Musikschule Bietigheim-Bissingen eingeschlagen. In dieser Zusammenarbeit werden von der Musikschule gut ausgebildete Fachlehrer, die ihren Unterricht in Löchgauer Räumlichkeiten abhalten, zur Verfügung gestellt. Dieses Konzept brachte dem Musikverein guten Nachwuchs und sorgte für eine Jugendkapelle, die auf hohem Niveau musiziert. Steigende Schülerzahlen zeigen, dass dieser Weg für den Verein der richtige ist.

Die musikalische Leitung des Vereins obliegt Ulrich Seibold – als Dirigent des Blasorchesters – sowie seiner Vertreterin und Jugenddirigentin Andrea Högler.

Höhepunkte im Vereinsleben sind die Jahresfeier und seit eignen Jahren ein Gemeinschaftskonzert mit befreundeten Musikkapellen. Das in zweijährigem Rhythmus stattfindende "Hasenropferfest", das im Löchgauer Ortskern stattfindet, hat durch die Teilnahme der meisten ortseigenen Vereine seinen ganz eigenen Charme entwickeln können.